Für Cabriolets beginnt in den 1970er-Jahren eine schwere Zeit. Hintergrund: Aus den Vereinigten Staaten schwappt eine Sicherheitsdiskussion nach Europa, bei der das Thema Überschlag im Brennpunkt steht. Die wenigen Hersteller, die sich noch an die Produktion von Faltdachfahrzeugen wagen, verpflanzen massive Überrollbügel in ihre Kreationen und gründen so die Gattung der "Erdbeerkörbchen". Nicht schön, aber funktionell.

Umso erfreuter ist die Fachwelt, als 1986 wieder ein offener Renault 5 auf der Bildfläche erscheint – ganz ohne Henkelmann-Look, dafür zu einem günstigen Verkaufspreis. Für das hübsche 5er-Cabriolet zeichnet der Ex-Rennfahrer Ernst Berg verantwortlich, der in seiner Brüsseler Werkstatt dem Renault 5 der zweiten Generation das Dach abschneidet. Das Ergebnis überzeugt formal und funktional.

Mit geschlossenem Verdeck zeigt der Wagen seine typische, unverwechselbare Silhouette, geöffnet senkt sich das Faltdach bis unter Kopfstützen-Niveau ab. Massive Stahlprofile verstärken das Chassis des als Basis dienenden Renault 5 GTS, um die Torsionssteifigkeit zu erhalten.

Bei der Fachpresse stößt das Renault 5 Cabrio durchgehend auf positive Resonanz – besonders der Verzicht auf den bei Cabrios dieser Klasse damals üblichen Überrollbügel freut damals die Tester. Dass der Umbau Substanz besitzt, bestätigen auch die Renault-Techniker, die die Tragfähigkeit der Konstruktion prüften. Zu einer Serienfertigung jedoch kommt es nie. Dafür entstehen unter der Regie von Renault Belgien einige Exemplare des Renault 5 GTS Cabriolet, dessen Verkaufspreis unter dem der Wettbewerber liegt.